Cannabis Überdüngung erkennen und retten: Blattbild, Spülen
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Eine überdüngte Cannabispflanze erkennst du an braunen, knusprigen Blattspitzen, hinter denen das Blatt auffällig dunkelgrün bleibt, oft mit nach unten gekrallten Spitzen und weißen Salzkrusten auf der Erde. Retten kannst du sie fast immer: In Erde spülst du mit dem zwei- bis dreifachen Topfvolumen pH-eingestelltem Wasser, lässt den Topf zwei bis drei Tage antrocknen und steigst mit 50% der Schemadosis wieder ein. Verbrannte Spitzen werden nicht wieder grün, der Neuaustrieb nach 7 bis 14 Tagen zeigt dir, ob es geklappt hat. Hier findest du das Blattbild im Vergleich zu Mängeln, die sieben häufigsten Ursachen, die EC- und pH-Zielwerte von Biobizz, Hesi, Plagron und Canna, den Rettungsplan als Zeitachse und die Fälle aus dem Forum.
Dennis Andres · Seed Supplier Team
Wir verkaufen Cannabissamen, keine Dünger und keine Messgeräte. Die Zielwerte stammen von den Herstellerseiten und Düngeplänen, die Symptome aus Studien zur Nährstoffversorgung von Cannabis, die Spülmengen und Erholungszeiten aus deutschen Grow-Foren. Alle drei Quellen trennen wir im Text.
📋 In diesem Artikel
- Überdüngung erkennen: vier Stufen am Blatt
- Überdüngung oder Mangel? Blattbild im Vergleich
- Sieben Ursachen, die im Forum immer wieder auftauchen
- Diagnose: EC und pH im Drain messen
- Überdüngte Pflanze retten: Schritt für Schritt
- Wie viel Wasser zum Spülen? Rechenbeispiel
- Erholungszeit: was wieder grün wird und was nicht
- Sonderfall Blüte: Nährstoffbrand kurz vor der Ernte
- Vorbeugen: halbe Dosis, Topfgewicht, Drain
- Drei Fehlerbilder aus dem Forum
- Quellen
- Häufige Fragen
- Blattbild: dunkelgrün und glänzend, Spitzen krallen nach unten, dann gelb, braun und knusprig. Das Blatt hinter der Spitze bleibt dunkel. Bei Mangel ist es blass.
- Häufigste Ursachen: Schema auf Osmosewasser gerechnet, Dünger auf stark vorgedüngter Erde, ohne Drain gegossen, zu kleiner Topf, Autoflower nach Photo-Schema.
- Diagnose: Drain messen. Liegt der EC im Ablauf deutlich über dem der Gießlösung, sammeln sich Salze. Plagron Terra zielt auf 1,0 bis 2,0 mS/cm, nie über 3,0. Biobizz und Hesi auf Erde: nicht nach EC dosieren.
- Rettung: 2- bis 3-faches Topfvolumen pH-Wasser, 2 bis 3 Tage antrocknen, dann 50% Dosis. Organische Erde: Dünger 1 bis 2 Wochen aussetzen statt spülen.
- Erholung: Neuaustrieb nach 7 bis 14 Tagen sauber, verbrannte Spitzen bleiben braun. In der Studie von Bevan (2021) fiel der Ertrag oberhalb von 230 mg/L Stickstoff, ohne dass die Blätter etwas zeigten.
- Vorbeugen: mit 50% starten, nach Topfgewicht gießen, 10 bis 20% Drain, Leitungswasser-EC vom Zielwert abziehen.
Überdüngung erkennen: vier Stufen am Blatt
Überdüngung läuft in einer festen Reihenfolge ab, und je früher du sie liest, desto weniger kostet sie. Stufe 1: Die Blätter werden auffällig dunkelgrün und glänzend, das Wachstum wirkt gestaucht. Ein Grower beschrieb seinen Stickstoffüberschuss als „sehr glänzende, ganz leicht zerknitterte und sehr dunkle Blätter“. Genau dieses Bild fanden Saloner und Bernstein (2020) mit fünf Stickstoffstufen: Bei 320 mg/L waren die Pflanzen kleiner und dunkelgrün, das Optimum lag bei 160 mg/L, alles darüber bremste Wachstum und Biomasse. Stufe 2: Die Blattspitzen krallen nach unten, im Forum „Adlerkrallen“ genannt. Stufe 3: Die Spitzen werden gelb, dann braun und knusprig, oft mit einem schmalen gelben Saum vor dem Braun. Das ist der eigentliche Nährstoffbrand. Stufe 4: Das Braun wandert an den Blatträndern entlang, auf der Erde bilden sich weiße Salzkrusten, die Wurzeln werden braun statt weiß, die Pflanze nimmt kaum noch Wasser auf.
Die kurze Übersicht dieser Stufen steht auch im Hub Cannabis Krankheiten und Mängel erkennen. Hier geht es um das, was dort fehlt: die Unterscheidung zweier Überdüngungen, die Ursachen, die Messwerte und der Rettungsplan.
Stickstoff-Überschuss und Salzstress sind zwei verschiedene Dinge
Hinter dem Wort Überdüngung stecken zwei Mechanismen. Nährstoff-Überschuss heißt: Ein einzelner Nährstoff ist zu hoch, meist Stickstoff. Die Pflanze nimmt ihn auf, wird dunkelgrün, treibt weiche Blätter und wenig Blüte. Saloner und Bernstein (2021) fanden dazu, dass Blüten bei 160 mg/L Stickstoff rund 30% weniger THCA und 20% weniger CBDA enthielten als bei 30 mg/L, obwohl der Ertrag bis 160 mg/L stieg. Cockson und Kollegen (2019) dokumentierten außerdem echte Toxizitäten einzelner Elemente: Bor-Überschuss beginnt an den alten unteren Blättern mit Randchlorose, die zu einem breiten braunen Band wird. Salzstress heißt dagegen: Die Gesamtkonzentration gelöster Salze im Substrat ist zu hoch, der EC steigt, die Wurzel kann Wasser nur noch schwer aufnehmen. Das Ergebnis sind die knusprigen Spitzen, und weil die Wurzel blockiert ist, kommt oft ein scheinbarer Mangel dazu. Für dich ist der Unterschied praktisch: Beim Stickstoff-Überschuss reicht meist, den Wuchsdünger wegzulassen. Beim Salzstress musst du die Salze aus dem Topf holen, also spülen.
Überdüngung oder Mangel? Blattbild im Vergleich
Die meisten Fehldiagnosen im Forum laufen in eine Richtung: Ein Grower sieht gelbe oder braune Stellen, tippt auf Mangel und düngt mehr. Ein Thread dazu trägt den Titel „Phosphormangel oder doch Überdüngung?“, und die Antwort war eine dritte: zu kleine Töpfe mit abgestürztem pH. Drei Fragen trennen die Bilder zuverlässig. Wo fängt es an, unten oder oben? Wie sieht das Blatt hinter der Schadstelle aus, dunkel oder blass? Und was hat sich in den letzten zehn Tagen geändert, Dünger, Wasser oder Lampe?
| Bild | Wo zuerst | Blatt dahinter | Erste Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Überdüngung | Spitzen, an der ganzen Pflanze | dunkelgrün, glänzend, gekrallt | Spülen, 50% Dosis |
| Stickstoffmangel | unten, alte Blätter | ganzes Blatt hellgrün bis gelb | Wuchsdünger nach Schema |
| Kaliummangel | Ränder, ab Blütewoche 3, auch oben | blass, fleckig, Ränder braun | pH prüfen, Blütedünger |
| Lichtbrand | nur direkt unter der Lampe | gebleicht, Adern bleiben grün | Lampe 10 bis 20cm höher |
| pH-Sperre | mehrere Bilder gleichzeitig | fleckig trotz voller Düngung | Drain-pH messen |
Zwei Fallen bleiben. Kaliummangel darf oben anfangen: In der Studie von Cockson (2019) zeigten sich die ersten Läsionen an den oberen Zuckerblättern. Und Überdüngung erzeugt oft einen echten Mangel obendrauf, weil die Salze die Aufnahme anderer Nährstoffe blockieren. Wer voll düngt und trotzdem Mangelbilder sieht, hat deshalb fast nie zu wenig Dünger, sondern ein Aufnahmeproblem. Die pH-Sperre als häufigste Fehldiagnose erklärt der Hub im Kapitel pH-Sperre, gelbe Blätter mit grünen Adern der Artikel zu Bittersalz und Magnesiummangel.
Sieben Ursachen, die im Forum immer wieder auftauchen
1. Das Schema wurde auf Osmosewasser gerechnet. Plagron schreibt in die Fußnote seines Terra-Plans, dass die EC-Werte bereits 0,4 mS/cm Leitungswasser enthalten. Canna nennt 0,2 bis 0,5 mS/cm als ideales Ausgangswasser und empfiehlt ab 0,7 mS/cm einen Filter. Wer hartes Wasser hat und die Milliliter trotzdem voll nimmt, liegt sofort über dem Ziel. Die Forenregel dazu: „gibt Hersteller die beziehen ihr Düngschema auf Osmosewasser, da kannste bei Leitungswasser eh immer ca 80% nehmen vom Schema.“ Hesi rechnet umgekehrt mit Leitungswasser und lässt Osmosewasser erst mit CalMag auf 0,4 bis 0,5 mS/cm aufhärten.
2. Dünger auf stark vorgedüngter Erde. Plagron gibt für Batmix und Royalmix sechs Wochen Versorgung und den Düngestart nach vier Wochen an, beide sind „für sehr junge Pflanzen nicht geeignet“. Biobizz sieht auf All Mix nur 1 ml Bio Grow statt 2 bis 4 ml vor. Wer in Woche 2 trotzdem nach Light-Mix-Schema düngt, verdoppelt die Fracht. Im Forum verschlimmerte sogar frischer Light Mix, obenauf nachgefüllt, eine bestehende Überdüngung. Die Vordüngung aller gängigen Erden steht in Welche Erde für Cannabis.
3. Zu kleine Töpfe. Ein 4-Liter-Topf puffert kaum: Im Thread mit Autoflowern in 4-Liter-Töpfen ging Gießwasser mit pH 6,3 hinein und kam mit 5,2 bis 5,5 heraus. Kleine Töpfe trocknen schneller, die Salzkonzentration in der Restfeuchte steigt, jede Gabe wirkt doppelt. Mehr Perlit im Endtopf senkt die Nährstoffdichte, das ist im Forum die meistgenannte Gegenmaßnahme für kleine Töpfe und Autos.
4. Autoflower nach Photo-Schema. Autoflower haben drei bis vier Wochen Wuchs und holen einen Fehlstart nicht auf. Die Foren-Faustregel lautet 50 bis 75% der Schemadosis bei mineralischen Düngern, in einem Auto-Thread heißt es knapp: Autos brauchen weniger, „könnte sie richtig verbrennen“. Bei organischen Düngern fahren erfahrene Grower Autos mit zwei Dritteln bis voller Dosis, weil das Bodenleben die Nährstoffe erst umsetzt. Mehr in Autoflowering oder photoperiodisch.
5. Ohne Drain gießen. Wer immer nur so viel gießt, dass unten nichts herausläuft, spült nie etwas aus, jede Gabe lässt Salze zurück. Ein Grower beschrieb das an einer Pflanze, die im ScrOG hinten stand: „Es war eine versalzung des Bodens weil ich bisschen schludrig oft ohne drain die hinten gegossen habe“. Derselbe Effekt entsteht bei Trockenspots, wenn Wasser an den Wurzeln vorbeiläuft und der Dünger in den trockenen Zonen aufkonzentriert.
6. Dünger mischen und wechseln. Zwei Produkte mit demselben Zweck addieren sich, und je mehr Flaschen im Spiel sind, desto schwerer findest du die Ursache einer Blockade. Bleib bei einem System, die Pläne stehen im Biobizz Düngeschema, im Hesi Düngeschema und im Plagron Düngeschema.
7. Schema für starkes Licht unter schwacher Lampe. Herstellerpläne gehen von voller Beleuchtung aus. Ein Grower mit 129 W auf 60 mal 60cm schrieb zum Canna-Terra-Plan: „Auf die Leistung ist das Schema definitiv zu krass. Nach starker Überdüngung und Spülung bin ich nun bei 60% des Schemas angekommen“. Weniger Licht heißt weniger Verbrauch, also weniger Dünger, siehe LED Grow Lampe für Cannabis.
Diagnose: EC und pH im Drain messen
Das Blatt zeigt dir, dass etwas nicht stimmt. Was im Topf los ist, zeigt dir nur der Ablauf. Die Methode heißt in der Gartenbau-Literatur Pour-through: 30 bis 60 Minuten nach dem normalen Gießen gibst du oben eine kleine Menge klares Wasser auf, fängst unten etwa 50 ml auf und misst pH und EC. Canna rät ausdrücklich, „den EC-Wert des Ablaufs aus dem Substrat“ regelmäßig zu bestimmen, weil ein steigender Wert Düngerüberschuss anzeigt, bevor die Pflanze ihn zeigt. Die Lesart ist einfach: Liegt der EC im Drain deutlich über dem EC deiner Gießlösung, sammeln sich Salze. Liegt er darunter, frisst die Pflanze mehr, als du gibst. Beim pH gilt dasselbe. Ein Grower goss mit 6,5 und maß im Drain 7,3, ein anderer stellte auf 6,3 bis 6,4 ein und bekam 6,7 zurück.
TTheWeedGuardian · Growerforum, 05.09.2026„Wichtig ist bei kleinen Töpfen besonders auf den PH Wert zu achten da das Bodenleben je nach Wurzelballen schon kritisch sein kann. Bei mir liegt der PH Wert organisch zwischen 6 bis 6,5. Giesse mal mit Drain (also so das unten was in den Untersetzer läuft) das nimmst du mit einer Pipette auf und misst den PH … Das Ergebnis zeigt Dir dann was in der Erde an Musik herrscht. PH zu hoch? Dann runter damit, ggf spülen. PH zu niedrig, dann hoch Puffern. Gerade in der Blütephase ist das wichtig und besonders bei kleinen Töpfen mit großem Wurzelballen.“
Zum Thread im Growerforum →
Welche Zahl du anpeilst, hängt vom Düngersystem ab. Mineralische Dünger liegen als Salz vor und leiten Strom, der EC ist ein Dosiermaßstab. Organische Dünger enthalten Stickstoff in Verbindungen, die kein Salz sind: Hesi schreibt, organische Stickstoffverbindungen „haben keinen EC-Wert“, die Erde-Dünger soll man „nicht auf EC-Werten begründen“. Plagron sagt für seine Alga-Linie dasselbe. Biobizz nennt gar keinen EC-Zielwert und setzt auf einen pH von 6,2 bis 6,5, der sich mit den Produkten meist von selbst einstellt. Wer auf Biobizz oder Hesi Erde nach EC hochdosiert, weil das Gerät „zu wenig“ anzeigt, überdüngt.
| System | pH Gießwasser | EC-Ziel Nährlösung | Drain-Regel |
|---|---|---|---|
| Biobizz (Erde) | 6,2 bis 6,5, meist ohne Korrektur | kein Maßstab | pH im Drain prüfen, EC ignorieren |
| Hesi Erde | keine Korrektur laut Hesi | kein Maßstab | pH im Drain prüfen |
| Hesi Coco und Hydro | 5,8 bis 6,2 | Wuchs bis 1,5, Blüte 1,6 bis 2,2 | Drain-EC nahe Eingabe halten |
| Plagron Terra | 5,5 bis 6,5 | 1,0 in Woche 1, 1,6 bis 2,0 Blüte, max. 3,0 | 0,4 für Leitungswasser eingerechnet |
| Plagron Coco | 5,5 bis 6,5 | 1,3 bis 2,5 | Drain-EC nahe Eingabe halten |
| Plagron Natural (Alga) | 5,5 bis 6,5 | kein Maßstab | nicht regulieren laut Plagron |
| Canna (alle Linien) | laut Plan | laut Plan, Wasser 0,2 bis 0,5 | Ablauf-EC regelmäßig messen |
Zum Vergleich die Substrate selbst, gemessen von Plagron in der Aufschlämmung 1:1,5: Lightmix 0,8 bis 1,4 mS/cm, Batmix und Royalmix 1,3 bis 2,0, Allmix 2,0 bis 3,0. Eine frische Allmix-Erde liegt also schon dort, wo der Terra-Plan seine Obergrenze zieht. Das erklärt, warum ein Sämling darin verbrennt und warum Plagron rät, den 10-Liter-Topf vor dem Einsetzen mit 5 bis 10 Litern Wasser zu spülen. Die Hintergründe zum Messen stehen im Kapitel EC und pH bei Plagron und im Kapitel pH und EC bei Hesi.
Überdüngte Pflanze retten: Schritt für Schritt
Der Ablauf ist in den Foren seit Jahren derselbe, und er stimmt mit den Herstellerhinweisen überein. Was du brauchst: pH-eingestelltes Wasser mit möglichst niedrigem EC (Canna: weiches Leitungswasser reicht, Osmosewasser ist nicht nötig), einen Ort, an dem der Topf ablaufen kann, und Geduld.
- Dünger sofort absetzen. Keine Gegendüngung, auch nicht mit CalMag oder Boostern. Mehr Dünger in den Topf zu geben ist einfach, ihn wieder herauszubekommen ist die eigentliche Arbeit.
- Spülen mit dem 2- bis 3-fachen Topfvolumen. Bei 11 L Topf also 22 bis 33 L Wasser, langsam und gleichmäßig über die ganze Oberfläche, am besten in Dusche oder Badewanne. pH in Erde auf 6,0 bis 6,5, auf Coco 5,8 bis 6,2. Wer Canna Flush nutzt: 20 ml auf 10 L, gießen bis es abläuft, dann einmal mit klarem Wasser nachgießen.
- Den letzten Ablauf messen. Der EC im Drain sollte am Ende nahe an dem des Spülwassers liegen. Ist er noch deutlich höher, weitere 5 bis 10 L nachlegen.
- Antrocknen lassen, 2 bis 3 Tage. Ein gespülter Topf ist tropfnass. Plagron warnt, dass langes Spülen Wurzelfäule und Schimmel begünstigt. Erst wieder gießen, wenn der Topf spürbar leichter ist.
- Mit 50% wieder einsteigen. Mineralisch: halbe Schemadosis, dann in Schritten von etwa 10% steigern, solange der Neuaustrieb sauber bleibt. Im Forum landeten Grower nach einer Überdüngung dauerhaft bei 50 bis 60% des Plans.
- Coco und Hydro: Kein Volumen-Spülen nötig, du wechselst die Nährlösung. Canna beschreibt für Nährstoffprobleme ein 24-Stunden-Spülen mit klarem Wasser im Tank, danach frische Lösung.
CChris123 · Growerforum, 30.05.2026„… also Spülen ( 3 mal dein Topfvolumen mit ph regulierten Wasser am besten in die Dusche oder Badewanne stellen …) . In Anbetracht das deine Pflanze 5 Monate alt ist denke ich mal das die Erde ziemlich salzig ist , das erklärt auch die braunen trockenen Blattspitzen und die Ausbreitung davon. Nach dem Spülen Erde … an trocknen lassen dann mit einer schwachen Nährstofflösung gießen und Geduld haben.“
Zum Thread im Growerforum →
Organische Erde: aussetzen statt spülen
Auf Biobizz, Plagron Natural oder anderen organischen Systemen ist Spülen selten die richtige Antwort. Der Grund steht bei Plagron in der Royalmix-Anleitung: Nach dem Spülen sind nur die direkt verfügbaren Nährstoffe weg, „in den folgenden Tagen steigt der EC-Wert im Royalmix wieder an“, weil das Bodenleben die gebundenen Nährstoffe nach und nach freisetzt. Du spülst also das Bodenleben aus und die Nährstoffe bleiben. Die Forenpraxis lautet deshalb: Dünger für ein bis zwei Wochen komplett aussetzen oder auf etwa 20% reduzieren, nur pH-Wasser mit etwas Drain geben und die Erde zwischen den Gaben abtrocknen lassen. Im großen Biobizz-Thread mit 16 Zustimmungen heißt es dazu, bei organischem Dünger sei Spülen nicht nötig. Nur bei echter Versalzung, etwa durch natriumhaltiges Wasser oder mineralische Zusätze auf Bio-Erde, spülst du auch hier.
Northern Lights
Feminisiert, 80% Indica, 50 bis 55 Tage Blüte, 100 bis 140cm indoor, 16 bis 19% THC. Ein Klassiker mit kurzer Blüte: Ein Spülfehler in Blütewoche 3 kostet hier zwei Wochen, nicht die Ernte.
Jetzt ansehen →Wie viel Wasser zum Spülen? Rechenbeispiel
Die Regel „zwei- bis dreifaches Topfvolumen“ nennen der Hub, die Ratgeberseite von Cannabisanbauen.net und mehrere unabhängige Grower. Einer rechnete für 11-Liter-Töpfe mit 27 L pro Topf, „mit dem dreifachen seines Volumens“, ein anderer bezeichnete 10 bis 15 L pro Topf noch als leichtes Anspülen. In Zahlen:
| Topf | Leichte Überdüngung (2-fach) | Starke Versalzung (3-fach) | Vorspülen laut Plagron |
|---|---|---|---|
| 4 L | 8 L | 12 L | 2 bis 4 L |
| 7 L | 14 L | 21 L | 3,5 bis 7 L |
| 11 L | 22 L | 33 L | 5,5 bis 11 L |
| 15 L | 30 L | 45 L | 7,5 bis 15 L |
| 20 L | 40 L | 60 L | 10 bis 20 L |
Die rechte Spalte ist keine Rettung, sondern Vorbereitung: Plagron empfiehlt, einen 10-Liter-Topf Royalmix oder Batmix vor dem Einsetzen junger Pflanzen mit 5 bis 10 L Wasser zu spülen. Das nimmt den ersten Salzschock, ohne die Erde zu entleeren. Wichtiger als die exakte Literzahl ist das Ende: Miss den EC im letzten Ablauf. Liegt er nahe am Spülwasser, bist du fertig, egal ob nach 20 oder 35 L. Ohne Messgerät hältst du dich an das Dreifache.
Erholungszeit: was wieder grün wird und was nicht
Verbranntes Gewebe ist tot. Braune Spitzen und Ränder werden nicht wieder grün, egal wie sauber du spülst, und gekrallte Blätter richten sich nur teilweise wieder auf. Der Erfolg zeigt sich am Neuaustrieb: Die nächsten Blätter, die nach dem Spülen entstehen, müssen sauber, flach und normal grün sein. Das dauert in der Praxis 7 bis 14 Tage. Die Ratgeberseite von Cannabisanbauen.net nennt „ein bis zwei Wochen“ für Pflanzen, die nach dem Umtopfen in vorgedüngte Erde überreagiert haben, ein Grower im Forum schrieb nach dem Spülen, das Blattbild habe sich nicht mehr verschlechtert und die Blüten seien weitergewachsen, ein anderer sah nach „einigen Tagen“ die ersten Zeichen der Erholung. Alte, stark verbrannte Blätter kannst du entfernen, sobald der Neuaustrieb steht, vorher nicht, weil die Pflanze aus ihnen noch Reserven zieht.
Der Schaden beginnt, bevor du ihn siehst. Bevan, Jones und Zheng (2021) testeten in Wasserkultur Stickstoff von 70 bis 290 mg/L, fanden das Ertragsoptimum bei 194 mg/L und einen deutlichen Ertragsverlust außerhalb von 160 bis 230 mg/L, ohne dass eine einzige Pflanze Symptome zeigte. Bei Kalium lag das Optimum laut Saloner und Bernstein (2022) zwischen 60 und 175 mg/L, bei 240 mg/L zeigte eine der beiden Sorten Überversorgungssymptome. Eine Pflanze, die „nur“ etwas zu dunkel ist, verliert also schon Ertrag. Erholt ist sie deshalb erst, wenn Drain-EC und Blattbild stimmen und du die Dosis gefunden hast, die sie tatsächlich verbraucht.
Ein Grower im Forum hat es in einem Satz zusammengefasst, mit fünf Zustimmungen: Mineralischer Dünger wirkt sehr schnell, ein Mangel ist damit schnell behoben. „Eine Überdüngung jedoch, ist um einiges schlimmer. Da wäre die einzige aktive Maßnahme eine spülung. Aufwendiger und bringt wieder gefahren mit sich, bspw. Staunässe.“ Ein Mangel kostet Tage, eine Überdüngung kostet die Spülung, zwei bis drei Tage Trocknen und ein bis zwei Wochen Aufbau. Deshalb im Zweifel immer die niedrigere Dosis.
Sonderfall Blüte: Nährstoffbrand kurz vor der Ernte
In der Blüte steigt der Kaliumbedarf, viele Grower drehen den Blütedünger auf, und genau dann tauchen Brandspitzen auf. Bis etwa Blütewoche 4 gilt der normale Rettungsplan. Ab Blütewoche 5 bis 6 ändert sich die Rechnung: Ein Spülen mit dreifachem Volumen macht den Topf tropfnass, und nasse Erde bei dichten Blüten heißt Schimmelrisiko. Plagron schreibt, langes Spülen könne „Wurzelfäule verursachen und die Pflanzen anfällig für Schimmelpilze machen“. In der späten Blüte spülst du deshalb mit dem einfachen bis doppelten Volumen, lässt gründlich abtrocknen und gehst danach nicht auf 50% zurück, sondern auf klares Wasser. Die letzten ein bis zwei Wochen sehen fast alle Pläne ohnehin ohne Dünger vor, Plagron in Woche 11, Hesi in Blütewoche 8. Ein Brand in Blütewoche 7 erledigt sich damit fast von selbst.
Das Spülen vor der Ernte ist etwas anderes als das Spülen gegen Überdüngung. Plagron stellt klar: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Spülen irgendeine Auswirkung hat“. Was es trotzdem bringt, steht im Kapitel Spülen vor der Ernte: Wer bis zum Schluss voll düngt, hält die Pflanze im Wachstum und verzögert die Trichomreife. Zwei Warnzeichen gehören in die späte Blüte noch dazu. Kaliummangel-Bilder trotz voller Düngung sind meist eine pH-Sperre, kein Grund für mehr Dünger. Und schwerer Stress durch Überdüngung ist neben Lichtlecks und Hitze ein Auslöser für Pollensäcke, siehe Cannabis Zwitter erkennen. Den Wochenverlauf beschreibt der Artikel zur Blütephase.
White Widow Automatic
Autoflower, 45% Indica, 58 bis 63 Tage Blüte, 60 bis 100cm indoor, 14 bis 16% THC. Autos holen einen Salzschock in Woche 2 nicht mehr auf: Light Mix, 50% Schema, und erst bei hellgrünen neuen Blättern steigern.
Jetzt ansehen →Vorbeugen: halbe Dosis, Topfgewicht, Drain
Die Antwort mit den meisten Zustimmungen in fast jedem Düngerthread ist dieselbe: Mit 50% des Herstellerplans starten und nur steigern, wenn die Blätter es verlangen. Neue Blätter hellgrün heißt mehr, dunkelgrün und glänzend heißt weniger. Dazu kommen fünf Gewohnheiten, die im Forum die Überdüngung fast immer verhindert haben.
| Regel | So geht es | Warum |
|---|---|---|
| Leitungswasser messen | EC des Wassers vom Zielwert abziehen | Plagron rechnet 0,4 ein, Canna will 0,2 bis 0,5 |
| Nach Topfgewicht gießen | etwa ein Drittel des Topfvolumens, dann abtrocknen lassen | Staunässe macht vorgedüngte Erde „scharf“ |
| Mit Drain gießen | 10 bis 20% laufen unten heraus | spült jede Gabe leicht nach, kein Salzaufbau |
| Drain messen | alle 1 bis 2 Wochen EC und pH im Ablauf | Canna: steigender Ablauf-EC zeigt Überschuss früh |
| Ein System | Grow, Bloom, ein Booster, fertig | Produkte mit gleichem Zweck addieren sich |
| Erde zum Plan | Light Mix plus Schema oder All Mix mit 1 ml | Batmix und Royalmix erst nach 4 Wochen düngen |
Ein Grower gießt seine 14-Liter-Töpfe mit 5 L und bekommt etwa 0,5 L Drain zurück, also 10%, und beschreibt seine Wurzeln als „von oben bis unten komplett schön durchwurzelt“. Darum geht es: nicht jede Gabe zur Spülung machen, aber nie ohne Ablauf gießen. Wer organisch fährt, misst den pH im Drain statt des EC. Die Grundlagen fasst die Grow Anleitung für Einsteiger zusammen, den Vergleich organisch gegen mineralisch Welcher Dünger für Cannabis.
Drei Fehlerbilder aus dem Forum
Fall 1: Fünf Monate, viele Dünger, braune Spitzen. Photoperiodische Pflanze im 11-Liter-Stofftopf, vorgedüngte Baumarkt-Growerde, „viele unterschiedliche“ Dünger im Wechsel, von unten gegossen mit 10 L auf sechs Pflanzen, Bodentest statt Messgerät. Die Spitzen wurden gelb und trocken, die Verfärbung wanderte von unten nach oben. Diagnose im Thread: versalzte, gekippte Erde plus Trockenspots, dazu Thripse. Empfehlung: nicht umtopfen, mit dem dreifachen Topfvolumen spülen, antrocknen lassen, schwach weiterdüngen, Messgerät kaufen. Überdüngung ist selten ein Fehler, meist sind es drei kleine.
Fall 2: Autoflower im 4-Liter-Topf, Drain-pH 5,2. Drei Autos in 4-Liter-Töpfen mit Wasserreservoir, an Blütetag 20 Mangelbilder und gleichzeitig Adlerkrallen. Mehr Dünger half nicht. Die Drain-Messung brachte Klarheit: oben 6,3 hinein, unten 5,2 bis 5,5 heraus. Erklärung aus dem Thread: Die Pflanzen versauerten das Substrat selbst, um noch Nährstoffe zu lösen, der kleine Topf puffert nichts, das Reservoir hält alles nass. Bei Autos in kleinen Töpfen ist das Bild oft Mangel und Überschuss zugleich, die Lösung heißt Topfgröße, nicht Dünger.
Fall 3: Natrium im Wasser, Mangelbilder trotz CalMag. Zwei Pflanzen in Blütewoche 6 auf Light Mix, obere Blätter gelblich, CalMag bereits erhöht. Die Wasseranalyse zeigte 92,7 mg/L Natrium bei nur 12,8 mg/L Calcium, typisch für enthärtetes Wasser. Die Antwort mit sechs Zustimmungen: keine Blockade durch zu wenig Dünger, sondern durch Natrium. Plan: jeden 11-Liter-Topf mit dem dreifachen Volumen natriumarmem Wasser spülen, danach anderes Wasser. Die Ausnahme, in der auch auf organischer Erde gespült wird, weil das Salz aus dem Gießwasser kommt.
Quellen
Herstellerwerte stammen von Produktseiten, Düngeplänen und Ratgeberartikeln der Hersteller (abgerufen im September 2026), Studienwerte aus den genannten Arbeiten, Praxisaussagen nur dort, wo mindestens zwei unabhängige Threads übereinstimmen.
- Plagron Zuchtplan 100% Terra, Coco, Hydro, Natural: EC-Ziele je Woche, 0,4 mS/cm Leitungswasser eingerechnet, Obergrenze 3,0, pH 5,5 bis 6,5, Woche 11 nur Wasser. Royalmix, Batmix, Lightmix: pH und EC 1:1,5, Vorspülen mit 5 bis 10 L pro 10-Liter-Topf, Düngestart. Die Wahrheit über Spülen vor der Ernte.
- Hesi Katalog und Düngepläne Erde, Coco, Hydro (2022): kein EC-Maßstab auf Erde, pH 5,8 bis 6,2 und EC bis 1,5 beziehungsweise 1,6 bis 2,2 mS/cm für Coco und Hydro, CalMag auf 0,4 bis 0,5 bei Osmosewasser, Blütewoche 8 Spülen.
- Biobizz: pH and EC regulation, Düngeschema: pH 6,2 bis 6,5, meist keine Korrektur nötig, 1 ml Bio Grow auf All Mix, kein EC-Zielwert.
- Canna Deutschland: EC-Wert, Die Vorteile des Spülens, Canna Flush: Ausgangswasser 0,2 bis 0,5 mS/cm, Filter ab 0,7, Ablauf-EC regelmäßig messen, 24-Stunden-Spülen bei Nährstoffproblemen, 20 ml auf 10 L.
- Saloner, Bernstein (2020), Frontiers in Plant Science 11: Stickstoff 30 bis 320 mg/L in Perlit, Optimum 160, darüber gebremstes Wachstum, bei 320 kleinere, dunkelgrüne Pflanzen. Saloner, Bernstein (2021), Industrial Crops and Products 167: rund 30% weniger THCA bei 160 gegenüber 30 mg/L.
- Bevan, Jones, Zheng (2021), Frontiers in Plant Science 12: N, P, K in Wasserkultur, Ertragsoptimum bei 194 mg/L N und 59 mg/L P, deutlicher Ertragsverlust außerhalb 160 bis 230 mg/L N ohne sichtbare Symptome.
- Saloner, Bernstein (2022), Agronomy 12(5): Kalium 15 bis 240 mg/L, Optimum 60 bis 175, Überversorgungssymptome bei 240 in einer Sorte.
- Cockson, Landis, Smith, Hicks, Whipker (2019), Applied Sciences 9(20): Mängel und Toxizitäten (Bor, Mangan) bei Cannabis sativa, Kaliummangel zuerst an oberen Zuckerblättern, Bor-Toxizität an alten Blättern.
- Pour-through-Methode (Bluelab, nach NC State Extension): 30 bis 60 Minuten nach dem Gießen, 50 ml Ablauf auffangen, pH und EC messen.
- Growerforum.de: Threads „Blätter trocknen aus“, „Umstieg von organischem auf mineralischen Dünger“, „White Widow Bonsai“, „Update zu den Zwittersamen“, „Purple Dynasty“, „Neue Runde, neue Fragen“, „Welchen Dünger benutzt ihr“. Zitate wörtlich und verlinkt.
- Forum Cannabisanbauen.net und Ratgeber Überdüngung: Threads „Phosphormangel oder doch Überdüngung?“, „Mangel oder Überdüngung?“, „CANNA Terra Düngerreihe“, „Kleine Punkte auf Blätterrand“, „Stickstoffüberschuss erkennen“, Biobizz-Thread zum Spülen (16 Zustimmungen), Autoflower-Dosierung 50 bis 75%, Spülmenge 2- bis 3-fach, Erholung ein bis zwei Wochen.
Häufige Fragen zur Überdüngung bei Cannabis
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