Landrassen: Herkunft, Sorten und Anbau in Deutschland
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Landrassen sind Cannabissorten, die sich über Jahrhunderte in einer Region ohne gezielte Züchtung an Klima und Boden angepasst haben. Sie sind die Ursprungsgenetiken fast aller modernen Sorten. Dieser Ratgeber erklärt, woher sie kommen, wie sich Indica- und Sativa-Landrassen unterscheiden und welche du in Deutschland anbauen kannst. Die passenden Samen findest du in der Kategorie Landrassen Cannabissamen.
Was sind Landrassen?
Eine Landrasse ist eine Cannabispopulation, die sich über viele Generationen in einem festen Gebiet entwickelt hat. Grower vor Ort haben nur die Pflanzen weitergezogen, die im lokalen Klima am besten gewachsen sind. So entstanden genetisch stabile Sorten mit einheitlichem Wuchs: kompakte, harzige Pflanzen aus den Bergen Afghanistans, hohe und langsam blühende Pflanzen aus den Tropen Thailands. Weil Landrassen über Generationen mit sich selbst gekreuzt wurden, streuen ihre Phänotypen kaum. Züchter nutzen sie deshalb bis heute als stabile Basis für neue Sorten.
Indica- und Sativa-Landrassen im Vergleich
Die beiden Gruppen unterscheiden sich in Herkunft, Wuchs und Blütezeit so deutlich, dass die Wahl meist schon damit feststeht.
| Indica-Landrassen | Sativa-Landrassen | |
|---|---|---|
| Herkunft | Hindukusch: Afghanistan, Pakistan, Nordindien | Tropen und Subtropen: Thailand, Nepal, Südafrika, Kolumbien, Mexiko, Jamaika |
| Wuchs | Kompakt, buschig, breite Blätter, 70 bis 170 cm | Hoch, langgliedrig, schmale Blätter, 160 bis 350 cm |
| Blütezeit | 45 bis 55 Tage | 80 bis 91 Tage |
| Ernte outdoor in Deutschland | August bis Mitte September | Oktober bis November, meist nur im Gewächshaus |
| THC | 15 bis 19% | 16 bis 19% |
| Wirkung | Körperlich, entspannend, schwer | Klar, aktivierend, teils psychedelisch |
| Beispiele | Afghani #1, Kush Automatic | Nepali, Wild Thai Automatic |
Landrasse oder moderner Hybrid?
Moderne Sorten wie Blue Zushi oder Gelato sind Kreuzungen aus mehreren Linien und auf Stärke, Aroma und Ertrag gezüchtet. Landrassen bringen andere Stärken mit.
| Landrasse | Moderner Hybrid | |
|---|---|---|
| Genetik | Eine Region, über Generationen stabilisiert | Mehrere Linien gekreuzt, auf Merkmale selektiert |
| THC | 15 bis 19% | 20 bis 30% |
| Aroma | Erdig, würzig, holzig, Haschisch | Fruchtig, süß, Dessert-Profile |
| Robustheit | Sehr hoch, an Kälte, Trockenheit oder Feuchte angepasst | Mittel, braucht stabile Bedingungen |
| Einheitlichkeit | Hoch, Pflanzen sehen sich sehr ähnlich | Je nach Züchtung, teils Phänotyp-Streuung |
| Ertrag | Niedrig bis mittel | Mittel bis hoch |
| Passt zu | Outdoor, Züchtung, klassische Wirkung, Hasch | Indoor, maximale Stärke, besondere Aromen |
Landrassen in Deutschland anbauen
Das deutsche Klima passt zu Indica-Landrassen fast perfekt: Sie stammen aus Gebirgsregionen mit kurzen Sommern und kalten Nächten und kommen mit einem Freiland-Sommer zwischen Mitte Mai und Mitte September aus. Afghani #1 wird Mitte September reif, Kush Automatic als Autoflower schon Anfang August, also noch vor der Herbstfeuchte, die dichten Indica-Blüten am meisten zusetzt.
Sativa-Landrassen sind auf lange Tropen-Sommer eingestellt. Nepali braucht 84 bis 91 Tage Blüte und wäre erst im November fertig, das schafft im Freiland keine Pflanze in Deutschland. Im Gewächshaus oder indoor mit Training geht es, im Freiland nur als Autoflower-Version wie Wild Thai Automatic, die Anfang bis Mitte September geerntet wird.
Beim Ertrag sind Landrassen ehrlich: Kush Automatic bringt outdoor wenig, Afghani #1 mittel, Wild Thai Automatic mittel bis hoch. Dafür brauchen sie kaum Dünger und verzeihen Fehler, die einen modernen Hybrid kosten würden.
Anbaukalender für Deutschland
| Monat | Indica-Landrasse (Afghani #1) | Autoflower (Kush Automatic) | Sativa-Landrasse (Nepali) |
|---|---|---|---|
| April | Vorziehen indoor | – | Vorziehen indoor |
| Mitte Mai | Auspflanzen nach den Eisheiligen | Keimen und auspflanzen | Auspflanzen ins Gewächshaus |
| Juni bis Juli | Wachstum, 130 bis 170 cm | Wachstum und Blüte, 70 bis 110 cm | Wachstum, bis 350 cm |
| Anfang August | Blütebeginn | Ernte | Wachstum |
| Mitte September | Ernte | Zweiter Durchgang möglich | Blütebeginn |
| Oktober bis November | – | – | Ernte nur im Gewächshaus |
Typische Fehler bei Landrassen
- Zu viel Dünger. Landrassen sind an magere Böden gewöhnt. Bei Afghani #1 reicht die halbe Dosis moderner Sorten, sonst verbrennen die Blattspitzen.
- Sativa-Landrasse im Freiland. Nepali blüht bis November und wird nicht reif. Gewächshaus oder Autoflower-Version wählen.
- Zu spät ausgepflanzt. Indica-Landrassen brauchen den ganzen Sommer. Nach Mitte Juni ausgepflanzt bleibt die Ernte klein.
- Zu wenig Abstand. Afghani #1 wird buschig und breit. Mindestens 80 cm Abstand, sonst schimmeln die dichten Blüten im Herbst.
Bekannte Landrassen und ihre Regionen
Die Namen vieler Landrassen sind zugleich die Namen ihrer Regionen. Afghani #1 und Hindu Kush stammen aus dem Hindukusch, Nepali aus dem Bezirk Baglung in Nepal, Thai aus dem Nordosten Thailands. Durban Poison kommt aus Südafrika, Acapulco Gold aus Mexiko, Colombian Gold aus Kolumbien und Lamb's Bread aus Jamaika. Aus diesen Linien entstanden die Klassiker der 80er: Northern Lights aus afghanischen Genetiken, Skunk aus Colombian Gold, Acapulco Gold und Afghani, Amnesia Haze aus vier Landrassen von drei Kontinenten.
Begriffe kurz erklärt
Landrasse: Cannabispopulation, die sich über Generationen in einer Region ohne gezielte Züchtung an Klima und Boden angepasst hat. Genetisch stabil und einheitlich im Wuchs.
Heirloom: Eine Landrasse, die außerhalb ihrer Herkunftsregion sortenrein weitergezogen wurde, zum Beispiel Thai-Genetik in Hawaii. Der Begriff wird oft mit Landrasse gleichgesetzt.
IBL: Inbred Line, eine über viele Generationen mit sich selbst gekreuzte Linie. Landrassen sind natürliche IBLs, deshalb sehen ihre Pflanzen sich so ähnlich.
Phänotyp: Das sichtbare Erscheinungsbild einer Pflanze aus Genetik und Umwelt. Bei Landrassen streuen die Phänotypen wenig, bei jungen Hybriden stark.
Ruderalis: Wilde Cannabis-Unterart aus Russland und Zentralasien, die unabhängig vom Licht blüht. Basis aller Autoflower-Sorten, auch der Landrassen-Autoflower.
Häufige Fragen
Wo wachsen Cannabis-Landrassen ursprünglich?
Indica-Landrassen stammen aus dem Hindukusch in Afghanistan, Pakistan und Nordindien. Sativa-Landrassen kommen aus Thailand, Nepal, Südafrika, Kolumbien, Mexiko und Jamaika. Ruderalis, die Basis aller Autoflower, stammt aus Russland und Zentralasien.
Wie groß werden Landrassen?
Kush Automatic bleibt outdoor bei 70 bis 110 cm, Afghani #1 bei 130 bis 170 cm. Sativa-Landrassen werden im Freiland deutlich höher: Wild Thai Automatic 160 bis 220 cm, Nepali bis 350 cm.
Sind Landrassen-Samen in Deutschland legal?
Ja. Cannabissamen sind nach § 4 Absatz 1 KCanG frei erhältlich, der Anbau ist Erwachsenen ab 18 Jahren mit bis zu drei Pflanzen pro Person erlaubt. Für Landrassen gelten dieselben Regeln wie für jede andere Sorte.
Quellen
- Clarke, R. C. & Merlin, M. D.: Cannabis. Evolution and Ethnobotany, University of California Press
- Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis (KCanG), § 4 Absatz 1
Alle Sorten aus diesem Ratgeber findest du in der Kategorie Landrassen Cannabissamen.
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